BWI-Bauen-Wohnen-Immobilien_Nr. 1_2022

44 Immobilien Warum muss es immer so viel Technik sein? Lowtech im Gebäudebereich Stellen Sie sich vor, in einem Gebäude zu wohnen, das keine Heizung und keine Lüftungsanlage besitzt. Eventuell stutzen Sie als Leser:in jetzt und zweifeln an dem Wohnkomfort, den ein solches Gebäude mit sich bringt. Schließlich befinden sich Smart-Homes und Hightech-Gebäude seit Jahren in aller Munde. Die Gebäudetechnik hat sich inzwischen so weit entwickelt, dass man, ohne das Innenraumklima zu beeinträchtigen, „Glastürme in der Wüste oder am Polarkreis [errichten]“ kann. Während überall über Lüftungsanlagen, Heizungen und Gebäudeautomatisierung gesprochen wurde, hat sich in den letzten Jahren die Gegenbewegung Lowtech entwickelt, die sich die Frage stellt, ob so viel Technik überhaupt notwendig ist. Was kann man nun darunter konkret verstehen? Im Zentrum der Lowtech-Bauweise steht der Gedanke, mit guter Architektur auf viel Gebäudetechnik verzichten zu können. Die Bauweise kann grob in drei Bereiche unterteilt werden: 1. Gestalterische Architektur Diese Architektur ist sehr individuell, da sie sich an das lokale Klima und die örtlichen Gegebenheiten anpasst. Hier sind Form, Funktion und Ausrichtung eines Gebäudes bzw. der einzelnen Gebäudekomponenten zentral. Um zum Beispiel eine Überhitzung im Sommer zu vermeiden, könnten große Dachüberstände oder feststehende Verschattungselemente gewählt werden, die so bemessen sind, dass der Innenraum im Winter von der Sonne erreicht wird, im Sommer jedoch verschattet bleibt. 2. Konstruktion der Bauteile Die Konstruktionen der Bauteile lassen sich ebenfalls vereinfachen. Anstelle einesWärmedämmverbundsystems kann beispielsweise einmonolithischer Wandaufbau gewählt werden. Somit wird die Anzahl der potenziellen Fehlerquellen und Schwachstellen verringert, während die Komponenten später besser voneinander getrennt, recycelt oder besser noch „upgecycelt“ (verbessert) werden können. Dabei ist es wichtig, eine gut isolierende und Energie speichernde Konstruktion zu wählen. Durch die fortlaufenden internen Wärmegewinne der Beleuchtung, technischen Geräte (z. B. Fernseher, Herd oder PC) oder der Bewohner:innen wird eine Heizung optimalerweise überflüssig. 3. Nachhaltige Materialien Häufig geht eine Lowtech-Bauweise auch mit der Verwendung natürlicher und gesunder Baustoffe einher. Die Verwendung von Holz oder Lehm trägt zum Beispiel zur Regulierung der Raumluftfeuchte bei. Lehm ist ein Baustoff, der in Form von Putz oder Bauplatten unter anderem gut im Badezimmer eingesetzt werden kann, da er große Mengen an Raumluftfeuchte speichern kann und Gerüche und aufFoto: Glenda Vidal / Pixabay Foto: LeoNeoBoy / Pixabay Ein monolithischer Wandaufbau reduziert die Möglichkeit von baulichen Schwachstellen und Fehlern. Heizen mit Holz trägt maßgeblich zum Wohlfühlen bei.

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