BWI Ausgabe 01/2026

Der Kommentar KRISE IM WOHNUNGSBAU Wir brauchen jetzt einen Neustart, keinen Stillstand! Die Zahlen sind mehr als nur eine Statistik, sie sind ein Alarmsignal für den sozialen Frieden in unserem Land: Bundesweit fehlen 1,4 Millionen Wohnungen. Eine ganze Großstadt wie Köln, für die es keinen Platz gibt. Diese schockierende Zahl des Pestel-Instituts zeigt das Ausmaß einer Krise, die längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen ist – sie trifft Studierende, die 53 Prozent ihres Budgets allein fürs Wohnen aufbringen müssen, junge Familien, aber auch immer mehr Senioren, die sich ihre angestammte Wohnung im Alter nicht mehr leisten können. Rückgang um 21 Prozent Auch in Niedersachsen und Bremen ist die Lage dramatisch. In Niedersachsen wurden 2024 nur noch rund 22.500 Wohnungen fertiggestellt – ein Rückgang um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zudem gingen die Baugenehmigungen im ersten Halbjahr 2025 um weitere neun Prozent zurück. In Bremen sieht es kaum besser aus: 1.354 fertiggestellte Wohnungen stehen einem Bauüberhang von 4.600 genehmigten, aber nicht realisierten Wohneinheiten gegenüber. Zwar gibt es erste positive Signale – in Bremen stiegen die Baugenehmigungen 2024 um 54 Prozent, bundesweit wurden im November 12,5 Prozent mehr Wohnungen genehmigt als im Vorjahr. Doch das darf nicht über die bittere Realität hinwegtäuschen: Wir bauen bei Weitem nicht genug. Die Mitgliedsunternehmen unseres Verbandes wollen und können bauen. Sie haben die Expertise, die Erfahrung und die Bereitschaft. Doch sie werden erstickt von einer Flut aus Bürokratie, explodierenden Kosten und einem Dschungel aus Vorschriften, die das Bauen unnötig teuer machen. Wir halten an einem Luxusstandard fest, der für die breite Masse unbezahlbar ist. Es geht um Dinge wie die Dicke von Decken, die Anzahl von Steckdosen oder die Frage, ob jedes Gebäude eine Tiefgarage braucht. Das klingt banal, kostet in der Summe aber Milliarden und verhindert bezahlbares Wohnen. Die Politik hat mit dem „BauTurbo" und dem „Gebäudetyp E" zwar Instrumente auf den Weg gebracht, die in die richtige Richtung zielen. Doch sie drohen zu verpuffen. Der „Bau-Turbo" kann nur zünden, wenn die Kommunen vor Ort mitziehen und endlich mutig Bauland ausweisen. Und der „Gebäudetyp E", gedacht als Befreiungsschlag für einfacheres Bauen, verkommt in der aktuellen Diskussion zu einem neuen Bürokratiemonster. Unsere Branche ist sich einig: Wir brauchen keinen komplizierten Sondervertrag, sondern einen neuen, pragmatischen Mindeststandard, der zur Regel wird. Zeigen, was möglich ist Beispiele wie der „Bremer Weg" oder der „Hildesheimer Weg" zeigen, was möglich ist, wenn Wirtschaft und Politik an einem Strang ziehen. Unsere Mitgliedsunternehmen haben die Expertise und den Willen. Was sie jetzt brauchen, ist politischer Mut. Mut, 30 Prozent der Bauvorschriften ersatzlos zu streichen. Mut, von unseren niederländischen Nachbarn zu lernen, wo Genehmigungen in acht Wochen erteilt werden. Die Zeit der Ausreden ist vorbei. Wir brauchen jetzt einen echten Neustart für den Wohnungsbau – für die Menschen, für die Wirtschaft und für die Zukunft unserer Region. Insgesamt zeigt der Koalitionsvertrag im Bereich Bauen und Wohnen viele geplante Maßnahmen und Richtungsänderungen. Der Erfolg dieser Vorhaben hängt maßgeblich von ihrer konkreten Ausgestaltung in den kommenden Monaten ab. Es bleibt spannend! INFORMATION BFW Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Niedersachsen/Bremen e.V. Hohenzollernstraße 26 30161 Hannover Tel. 0511 / 38 88 54 86 info@bfw-nb.de www.bfw-nb.de David Jacob Huber Geschäftsführer BFW Landesverband Niedersachsen/Bremen Foto: David Huber 10 Wohnen

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