BWI Ausgabe 01/2026

Der vdw bringt sich regelmäßig in aktuelle wohnungspolitische Prozesse ein und arbeitet an praktikablen Lösungswegen für den Wohnungsbau. Dazu gehört auch unsere Beteiligung am „Bündnis für bezahlbares Wohnen“, das maßgeblich auf unser Betreiben hin gegründet wurde: Aktuell entwickeln wir gemeinsam mit kommunalen Spitzenverbänden, Architekten, Bauindustrie, dem Sozialverband Deutschland, BFW, VWE und vielen weiteren Akteuren den „Niedersächsischen Weg“, der die Vorgaben für Neubauten erheblich vereinfachen soll. Mit den Ergebnissen bin ich sehr zufrieden. Im Sommer wird die Niedersächsische Bauordnung novelliert, und viele unserer Vorschläge werden sich darin wiederfinden. Vor welchen Herausforderungen stehen Ihre Mitglieder aktuell? Rund 85 Prozent der Wohnungsbestände der Mitgliedsunternehmen stammen aus der Zeit vor 1990. Diese Gebäude prägen die Städte und Stadteile bis heute. Ein erheblicher Teil der Bestände muss energetisch modernisiert werden, um die Vorgaben der Klimapolitik zu erfüllen. Vieles wurde bereits verbessert, etwa an der Gebäudehülle oder durch Erneuerung technischer Anlagen. Doch der nächste Schritt ist anspruchsvoll: Es geht um CO2neutrales Wohnen, zugleich aber auch um möglichst niedrige Mieten. Zwischen Klimaschutz und Bezahlbarkeit entsteht damit ein Spagat, der die Wohnungswirtschaft in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen wird. Welche Auswirkungen hat der Rückgang im Neubau für Ihre Mitglieder und deren Bestand? Ein großer Teil unserer Mitglieder würde mehr bauen, aber die Rahmenbedingungen sind seit Jahren schlecht. Die Jahre, in denen die Neubauinvestitionen in unserem Verband die Aufwendungen für Modernisierung und Instandhaltung übertroffen haben, sind vorbei. Längst liegt das Hauptaugenmerk auf der Ertüchtigung der Wohnungsbestände, nicht nur mit dem Blick auf den energetischen Zustand. Vielmehr geht es auch um generationengerechtes Wohnen ohne Barrieren, um neue Wohnformen – und generell um gutes und bezahlbares Wohnen. Welche Faktoren haben aus Ihrer Sicht zum Rückgang geführt? Hohe Baukosten, komplexe Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie Der Gebäudetyp E ist ein Planungsansatz, der das Bauen einfacher und kostengünstiger machen soll. Das E steht für „einfach“. Kernidee ist, auf Standards zu verzichten, die gesetzlich nicht vorgeschrieben sind, um Baukosten zu reduzieren und Verfahren zu beschleunigen. Planende und Baufamilien dürfen dabei von den anerkannten Regeln der Technik abweichen, solange Sicherheit und Wohnqualität gewährleistet bleiben. Dadurch entsteht mehr Freiheit bei Materialwahl, Technik, Grundrissen und Ausstattung. Typisch für den Gebäudetyp ist der Verzicht auf teure Komfortstandards, etwa auf aufwändige Lüftungstechnik, wenn Fensterlüftung ausreicht. Auch kompaktere Grundrisse oder reduzierte Schallschutzvorgaben können zulässig sein. Neu ist, dass solche Abweichungen rechtssicher vereinbart werden können, ohne automatisch als Baumangel zu gelten. Das erleichtert eine schnellere und günstigere Planung. Ein Bundesgesetz ist zwar noch nicht abgeschlossen, doch Länder wie Niedersachsen haben ihr Bauordnungsrecht bereits angepasst. Für Wohnungsbaugenossenschaften ist der Ansatz attraktiv, weil er ein wirtschaftlicheres und weniger Technik-lastiges Bauen ermöglicht. Was genau ist der Gebäudetyp E? Alle Fotos: Redaktion Seit Mai 2019 leitet sie den Verband, dem rund 180 Mitgliedsunternehmen angehören. frühjahr 2026 13

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