BWI Ausgabe 01/2026

fehlende Grundstücke spielen eine wesentliche Rolle. Hinzu kommen die Anforderungen des Klimaschutzes und ein Fachkräftemangel, insbesondere bei Dienstleistern. Deshalb sind für die Branche verlässliche Rahmenbedingungen elementar wichtig, etwa eine rechtliche Absicherung des Gebäudetyps E im Bau- und Energierecht, um langfristige Planungssicherheit zu gewährleisten. Was bedeutt der neue Gebäudetyp E in der Praxis – insbesondere für Wohnungsbaugenossenschaften? Der Gebäudetyp E eröffnet für die soziale Wohnungswirtschaft mehrere praktische Vorteile. Er kann die Baukosten reduzieren und zugleich die Planungsprozesse vereinfachen. Zudem erleichtert er serielles und modulares Bauen, weil weniger komplexe Vorgaben gelten und robuste, klar definierte Standards möglich sind – ohne technisch überladene Lösungen. Im Kern geht es darum, kostengünstiger und pragmatischer zu bauen. Viele Bauweisen sind heute übermäßig teuer; gleichzeitig gibt es einfachere Lösungen, die keine Qualitätseinbußen bedeuten. So wird etwa hinterfragt, ob aufwändige Lüftungsanlagen in jedem Fall nötig sind – oder ob nicht doch der bewährte Fensterfalz ausreicht. Die Tendenz geht zum Gebäudetyp E: weniger Technik, mehr robuste Standards. Ein guter, langlebiger Ausführungsstandard reicht vielfach aus. Damit soll insbesondere der soziale Wohnungsbau wirtschaftlicher werden. Wie gelingt es, den CO₂-Ausstoß der zum Teil recht alten Gebäude maßgeblich zu reduzieren? Ein wichtiger Baustein sind dezentrale Wärmenetze und eine kommunal organisierte Wärmeplanung. Die Ausrichtung auf den neuen Weg der CO2-Reduktion findet sich auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung wieder. In vielen Städten – darunter Hannover – wird die Fernwärme derzeit ausgebaut. Wohnungswirtschaft und Stadtwerke kooperieren beim Aufbau neuer Wärmenetze; teilweise entstehen auch Lösungen im kleineren Maßstab. Ein Beispiel ist ein von der Wohnungsbaugenossenschaft betriebenes Wärmenetz in Gifhorn. Zudem können sich mehrere Akteure vor Ort zu Versorgungsgemeinschaften zusammenschließen, um lokal Strom zu erzeugen und gemeinschaftlich zu nutzen. Diese Modelle stärken die Unabhängigkeit vom großen Energiemarkt und sichern langfristig stabile Preise für alle Anwohnenden. Eine große Herausforderung ist die Stärkung der Klimaresilienz. Das betrifft insbesondere die Freiraumgestaltung der Wohnanlagen, die Aufenthaltsqualität, Rückzugsmöglichkeiten und Begegnungsräume verbessern soll. Ebenso wichtig sind ein durchdachtes Regenwassermanagement sowie der Schutz der Gebäude und somit der Bewohner gegen zu große Hitze. Welche Rolle spielt die Digitalisierung in der Wohnungswirtschaft? Eine erhebliche, denn sie unterstützt interne Abläufe, die Mieterkommunikation sowie das technische Gebäudemanagement. Methoden wie BIM oder KI-gestützte Tools können helfen, Instandhaltungsbedarfe zu erkennen, Verbräuche zu optimieren und klimabezogene Maßnahmen effizienter zu planen. Die Digitalisierung unterstützt damit nicht nur die Verwaltung, sondern ist auch eine wichtige Voraussetzung für Klimaschutz, Ressourceneffizienz und eine vorausschauende Instandhaltung. Im vdw beschäftigt sich ein Fachausschuss mit der Frage, wie sich diese Instrumente sinnvoll einsetzen lassen. Das ist eines unserer wichtigsten Themen auf der diesjährigen Real Estate Arena. Welche Schwerpunkte setzt Ihr Verband auf der diesjährigen Messe? Der vdw ist gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen (GdW) erneut als Partner beteiligt. Wir bieten auf der Messe ein eigenes Bühnenprogramm mit vielen interessanten Gesprächspartnern an. Wir wollen konkrete Beispiele zeigen, wie die Digitalisierung in der Wohnungswirtschaft Nutzen stiftet – von smarter Instandhaltung über digitale Zwillinge (BIM) bis hin zu innovativen Kommunikationsformen im Quartier. Ein großer Teil der vdw-Mitglieder würde mehr bauen, aber die Rahmenbedingungen seien seit Jahren schlecht, sagt Verbandsdirektorin Schmitt. 14 Wohnen

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