BWI Ausgabe 01/2026

Wie vermeidet man zu trendige Fehlentscheidungen? Eigentlich gilt das Badezimmer als statischer Raum, der kaum Veränderungen zulässt. Layout und Raumästhetik werden durch die wasserführenden Sanitärprodukte quasi „unverrückbar“ vorgegeben. Und dennoch: Das Bad entwickelt sich immer mehr zu einem vollwertigen Zimmer, dessen Gestaltung durch den zeitaktuellen Lifestyle beeinflusst und individuell umgesetzt wird. Eine professionelle Badplanung sieht dazu möglichst viele Optionen zum Umstylen und saisonalen Dekorieren vor – etwa durch austauschbare statt fester Deko-Elemente und durch neutrale Wände und Böden, die einen gelegentlichen Anstrich, eine Fotowand oder einen neuen, schicken Teppich zulassen. Ein modernes Bad sollte aufgeräumt sein und viele Freiflächen zum Dekorieren haben. Das Wichtigste ist aber die konsequente Umsetzung eines definierten Gestaltungsstils. Das ist gar nicht so selbstverständlich. So hat unsere durch Bilder unterstützte Umfrage ergeben, dass rund 80 % der Bäder in Deutschland keinen wirklich durchgängigen Gestaltungsstil erkennen lassen – eine professionelle Badplanung wertet das Badezimmer also sofort auf. Welche technischen Innovationen prägen das Badezimmer der Zukunft? Die erstaunlichste Entwicklung durchläuft derzeit wohl die Toilette. Das WC hat sich vom schamhaft versteckten Nutzgegenstand zum designstarken Lifestyleprodukt entwickelt. Klare Formen, flache, farblich variierende Drückerplatten und eine reduzierte Farbigkeit – vor allem Weiß und gelegentlich MattSchwarz – machen die Toilette heute zum architektonischen Hingucker. Die Entwicklung des Dusch-WCs hat dem gesamten Toiletten-Segment einen massiven Innovationsschub bei Hygiene, Technik und Komfort verschafft. Spülrandlose Innengeometrie, optimierte Spültechnologie und Funktionen wie Wasserdusche oder Geruchsabsaugung stammen ursprünglich aus Energieeffizienz im Badezimmer Steigende Energiepreise und Warmwasserkosten lenken den Blick immer stärker auf Einsparpotenziale bei Dusche, Waschtisch und Beleuchtung. Armaturen mit Kaltstartfunktion, Durchflussbegrenzung und Thermostattechnik reduzieren den Warmwasserverbrauch, ohne den Komfort zu verschlechtern. Smarte Duschsysteme liefern sofort warmes Wasser, regeln die Temperatur präzise und helfen, Wasser- und Energieverbrauch zu senken. Sie sind wassersparend und werden als eigenständige Effizienzmaßnahme im Gebäude bewertet. Sie sollen sollen perspektivisch Effizienzklassen und Labels erhalten. Intelligente Wärmerückgewinnungssysteme, etwa bei der Dusche, nutzen die Abwasserwärme und unterstützen bei der Einsparung von Energie. der Dusch-WC-Entwicklung. Und ein Dusch-WC stellt ein echtes Update in Sachen Hygiene, Komfort und Nachhaltigkeit dar. Worauf kommt es bei der Beleuchtung im Bad an? Seit der Erfindung der LED haben sich die Gestaltungsmöglichkeiten eines Badezimmers enorm weiterentwickelt. Spiegelschränke verfügen immer häufiger über Optionen für verschiedene Lichttemperaturen und können je nach Nutzung zwischen Funktions- und Stimmungslicht variieren. Für die Zukunft ist damit zu rechnen, dass wir mehr Lösungen für ein barriererearmes Bad sehen werden. Denn das Bad ist ein Schlüsselraum für ein möglichst langes, selbständiges Leben. Wir wollen in unserem persönlichen Umfeld wohnen, und zukünftige Bäder müssen sich dieser Aufgabe stellen. Wie verändern digitale Lösungen – z. B. smarte Wasseraufbereitung, digitale Filterüberwachung oder Komfortsteuerung – die Badplanung? Viele Entwicklungen im Badezimmer verstecken sich zumeist hinter einer Wand. Eine Dusch-Armatur mit Regendusche und Seitendüsen etwa ist ein technisch hochkomplexes Produkt. Auf Knopfdruck lassen sich hier Features wie Strahlart oder Temperatur einstellen. Das gilt auch für die Badewanne. Der weiche Wasserstrahl aus den Armaturen ist das Ergebnis einer sehr hohen Trinkwasserqualität, wie sie etwa durch hochwertige Filter im Keller gewährleistet wird. Welche Fehlannahmen oder Mythen zur Badmodernisierung begegnen Ihnen häufig? Die Kosten für Neubauten explodieren und damit auch die Quadratmeterpreise für neue Wohnungen – egal, ob für private Bauleute oder den öffentlichen Wohnungsbau. Gleichzeitig steigen die Ansprüche an den Wohnwert. Das mag eine Gleichung sein, die nicht auflösbar ist. Tatsache ist: Das Badezimmer ist ein wichtiger Faktor bei der Kaufentscheidung oder bei der Wahl der Mietwohnung – hier lohnt ein guter Standard. Bodenebene Dusche oder viel Stauraum sind heute Standard in der Ausstattung. Eine weitgehend barrierefreie Ausstattung hingegen scheint aktuell für die Mehrheit noch Utopie zu sein. Das kreative Ringen um jeden Zentimeter bei der bodenebenen Dusche und bei der Integration eines Fensters bleibt für Architekt:innen auch bei Neubauprojekten eine Herausforderung. Dabei sollte bedacht werden, dass auch die Immobilien-Investoren über den zukünftigen Komfort einer ganzen Gesellschaft bestimmen. Michaela Peeters 20 Wohnen

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