BWI Ausgabe 01/2026

Expertentipp Eigentlich ist der Jahreswechsel längst verdaut. Dennoch stellen viele Haushalte gerade im kalten Winter fest, dass nicht nur Weihnachten alle Jahre wiederkommt: An diversen Stellen der Wohnung blüht der Schimmel. Am häufigsten zeigt er sich im Bad. BWI sprach mit Florian Lörincz, Energieberater bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, über Ursachen und Mittel, den Befall wirksam zu bekämpfen. Herr Lörincz, warum kommt es gerade im Bad so häufig zur Schimmelbildung? Bäder sind die Räume mit der größten Feuchtebelastung im Haus. Unglücklicherweise gehört die hohe Luftfeuchte aber zum „Nutzungsprofil“ eines Badezimmers hinzu. Luftfeuchtigkeit und Temperatur im Bad hängen direkt zusammen, denn warme Luft kann deutlich mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Deshalb steigt nach dem Duschen die relative Luftfeuchte schnell an. Sie zeigt an, wie viel Prozent der maximal möglichen Feuchte bei der aktuellen Temperatur erreicht sind. Ein Beispiel: Bei 24 °C kann Luft rund 21 g Wasser pro m³ aufnehmen. Zeigt das Hygrometer 75 % Luftfeuchtigkeit an, enthält die Luft etwa 16 g Wasser. Ab welcher Luftfeuchtigkeit wird es kritisch? Ab etwa 75 % Luftfeuchtigkeit wird es im Bad kritisch. Schimmel kann bereits entstehen, wenn Wandoberflächen lokal 80 % Luftfeuchte erreichen. Das passiert, weil Raumecken und Fensterlaibungen kälter sind. Ein Beispiel: Enthält die Luft nach dem Duschen etwa 16 g Wasser/m³, entsprechen diese Werte in einer kühleren Ecke mit ca. 19 °C bereits rund 98 % Luftfeuchte – die kritische Schwelle ist damit überschritten. Wird weiter geduscht, kann an diesen Stellen sogar Kondenswasser entstehen. Warum entsteht Schimmel oft an Fugen, in Raumecken oder hinter Möbeln? Weil dort die Bedingungen besonders günstig sind. Kalte Raumecken sowie zugestellte Außenwände kühlen stärker aus – dadurch steigt lokal die Luftfeuchte in der Wand. In Silikon- und Fliesenfugen kommt ein weiterer Faktor hinzu: Hier gibt es reichlich Nährstoffe wie Hautschuppen, Fette und Reinigungsmittelreste, die sich in Rissen und Unebenheiten festsetzen. Das Ganze lässt sich auf die Formel „Kühle Oberflächen + hohe Feuchte + Nährstoffe = ideale Wachstumsbedingungen für Schimmel“ bringen. Können bestimmte Materialien Schimmel begünstigen oder verhindern? Silikonfugen sind zunächst kein Nährboden und enthalten pilzhemmende Zusätze. Wird später trotzdem Schimmel sichtbar, ist die Schutzwirkung erschöpft – die Fugen sollten erneuert werden. Auf Wandflächen liefern Tapeten, Kleister und Anstriche (z. B. Binderfarben) zusätzliche Nährstoffe. Putzoberflächen lassen sich mit rein mineralischen Farben streichen. Silikatfarben weisen einen hohen pH-Wert auf, der dem Befall länger entgegenwirkt als ein schlichter Neuanstrich mit Binderfarbe. Welche Lüftungsmethoden eignen sich am besten für Badezimmer? Querlüften, dicht gefolgt von Stoßlüften. Da beim Duschen schnell nahezu 100 % Luftfeuchte entsteht, sollte das Fenster schon während des Duschens geöffnet werden. Querlüften, also Durchzug über zwei gegenüberliegende Fenster bei geöffneter Badezimmertür, ist am effektivsten. Geht das nicht, ist Stoßlüften bei geschlossener Badezimmertür das Mittel der Wahl. Wie lange sollte man nach dem Duschen lüften? Die Lüftungsdauer nach dem Duschen hängt von vielen Faktoren ab, pauschal festlegen lässt sie sich nicht. Wie schnell feuchte Luft ausgetauscht wird, hängt ab von Lüftungsart (Stoß-, Quer-, Kipplüften), Wind, Fenstergröße und Raumgröße. Deshalb sind feste „5-Minuten-Tipps“ wenig sinnvoll. Praktisch sind hingegen elektronische Thermohygrometer mit Schimmelalarm: Sie warnen an kritischen Stellen so lange, bis genug trockene Luft nach innen gelangt ist. Als einfache Orientierung beim Stoßlüften gilt: Trocknet der Fensterscheiben-Beschlag von unten nach oben ab, ist die Luft bis zur oberen Fensterkante bereits ausgetauscht. Dipl.-Ing. (FH) Florian Lörincz Berater der Verbraucherzentrale Niedersachsen Foto: Redaktion ALLE JAHRE WIEDER Wie man Schimmel vermeidet und richtig entfernt 24 Wohnen

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQwNjM=