Häusliche Gewalt findet oft dort statt, wo Menschen sich sicher fühlen sollten – im eigenen Zuhause. Die neue Kampagne „Kein Raum für häusliche Gewalt“ des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen und Bremen (vdw), der das Projekt gemeinsam mit dem Landespräventionsrat Niedersachsen (LPR) umsetzt, setzt genau hier an. Wir sprachen mit Susanne Wolter, Geschäftsführerin des Landespräventionsrats, über die neue Kampagne. Warum verdient das Thema „Häusliche Gewalt“ besondere Aufmerksamkeit? Häusliche Gewalt ist ein weit verbreitetes gesellschaftliches Problem, von dem vor allem Frauen betroffen sind. Bundesweit erlebt jede dritte Frau körperliche oder sexualisierte Gewalt, häufig durch den (Ex-)Partner. Allein in Niedersachsen wurden 2024 über 32.500 Fälle polizeilich registriert – die Dunkelziffer ist deutlich höher. Die Folgen reichen von körperlichen und psychischen Verletzungen bis zu gesundheitlichen Belastungen. Deshalb braucht es öffentliche Aufmerksamkeit, Unterstützung für Betroffene und gemeinsame Verantwortung. Die neue Kampagne „Kein Raum für häusliche Gewalt“ richtet sich gezielt an das Wohnumfeld. Warum spielt gerade der Wohnraum eine so wichtige Rolle? Die Kampagne setzt bewusst im Wohnumfeld an, weil häusliche Gewalt meist dort stattfindet, wo Menschen sich sicher fühlen sollten – in der eigenen Wohnung. Gewalt bleibt oft verborgen, da sie hinter verschlossenen Türen geschieht und Betroffene aus Angst oder Scham nicht darüber sprechen. Gleichzeitig nehmen Nachbar:innen zwar häufig Hinweise wahr, reagieren aber aus Unsicherheit nicht. Die Kampagne knüpft genau hier an: Sie informiert Betroffene über Unterstützungsmöglichkeiten und stärkt das Umfeld, sensibel und verantwortungsvoll zu handeln. In Niedersachsen beteiligen sich 13 vdw-Mitgliedsunternehmen an der ersten Projektphase; weitere haben Interesse signalisiert. Die Umsetzung vor Ort erfolgt gemeinsam mit Polizei und Beratungsstellen, die Mitarbeitende schulen und zentrale Ansprechpartner:innen für die Wohnungsunternehmen sind. Welche Unterstützung kann die Wohnungswirtschaft bei der Prävention leisten? Sie ist ein wichtiger Partner in der Gewaltprävention, weil ihre Mitarbeitenden Veränderungen im Wohnumfeld früh bemerken. Mit der Kampagne wird dieser Ansatz erweitert: Durch Schulungen lernen Beschäftigte, Warnzeichen zu erkennen und Unterstützung anzubieten. Wohnungsunternehmen können zudem Informationsmaterialien bereitstellen, auf Hilfsangebote hinweisen und die Zusammenarbeit mit Polizei und Beratungsstellen stärken. Durch ihre Nähe zu den Mietenden übernehmen sie eine verbindende Rolle und helfen dabei, dass Unterstützung schnell und erreichbar wird. Welche Unterstützung bekommen Betroffene durch die Kampagne? Die Kampagne bietet Betroffenen niedrigschwellige Hilfe direkt im Wohnumfeld. Plakate, Postkarten, Banner und eine mehrsprachig ausgebaute Website informieren über Beratungs- und Notfallangebote. Mitarbeitende der Wohnungsunternehmen werden von Polizei und Beratungsstellen geschult, damit sie Betroffene erkennen und gezielt unterstützen. Außerdem stärkt die Kampagne die Zusammenarbeit zwischen Wohnungsunternehmen, Beratungsstellen und Polizei – so gelangen Betroffene schneller und unkompliziert zur richtigen Hilfe. INFORMATION gegen-häusliche-gewalt.de Kein Raum für häusliche Gewalt Unterstützung im Wohnumfeld stärken Hilfetelefon Ein sehr gutes Unterstützungsangebot ist das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter der Nummer 116 016. Es ist rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, anonym und kostenfrei erreichbar – und bietet Beratung in vielen Sprachen. Auch Angehörige und Bekannte können sich dort informieren und beraten lassen. In akuten Gefährdungssituationen ist der polizeiliche Notruf 110 immer die beste Wahl. Foto: Julia Lormis frühjahr 2026 27
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