Thomas Rätzke: Woran erkennt man einen Platz in Topform? Stuart Orme: Am Gesamtbild. Grüns und Abschläge in Ordnung zu halten, ist Standard. Die Qualität zeigt sich am Rand: saubere Übergänge zwischen Fairway, Semirough und Rough, klar erkennbare Schnittkanten, Grüns, die glatt wirken und auch ohne Sonne einen leichten Glanz haben. Das deutet auf scharfe Messer hin. Wird mit stumpfen Messern geschnitten, reißt das Gras, die Pflanze wird anfälliger für Pilze und Bakterien. Gute Pflege ist sichtbar und sie hält die Anlage stabil. Thomas Rätzke: Heißt gute Pflege auch weniger Chemie? Stuart Orme: Ja. Unser Ziel ist konstante Qualität über die Saison. Wir stärken den Rasen von innen: regelmäßiges Schlitzen, Vertikutieren und wöchentliches leichtes Sanden. So kommen Luft und Wasser an die Wurzeln, die Pflanze teilt sich, geschlossene Narben entstehen schneller, Pitchmarken wachsen rasch zu. Wir arbeiten bewusst mit wenig Wasser. Je tiefer die Wurzeln, desto robuster die Pflanze. Wenn der Rasen gesund ist, braucht es keine Keule. Thomas Rätzke: Wie steuert Ihr Wasser und Bewässerung? Stuart Orme: Mit Wetterdaten, Bodensensoren und einer computergesteuerten Anlage. Wir bewässern nachts und so wenig wie möglich. Wind spielt eine Rolle, deshalb laufen nie viele Regner gleichzeitig. Pro Sektor simulieren wir eher einen kurzen Regenschauer statt Dauerregen. Thomas Rätzke: Die beiden Plätze sind sehr unterschiedlich. Wie wirkt sich das aus? Stuart Orme: Am Steinhuder Meer haben wir sehr sandigen Boden. Regenwasser speichert der Boden kaum, wir arbeiten deshalb mit moderner Technik, trockenheitstoleranten Gräsern, angepassten Schnitthöhen und Sensorik. Braune Fairways im Sommer sind normal und ökologisch sinnvoll. In Extremjahren wie 2022 mussten wir Bahnen neu einsäen. Am Deister ist der Boden schwer. Hier sind wir nahezu autark. „Gute Pflege ist sichtbar – und sie hält die Anlage stabil.“ Golf & Natur Wie Spielqualität und Umweltbewusstsein zusammenpassen Stuart Orme betreibt den Golf Park Steinhuder Meer und den Golf Park am Deister. Im Gespräch erklärt er, woran man einen gut gepflegten Platz erkennt, wie man Wasser und Pflanzenschutz reduziert und warum Biodiversität auf beiden Anlagen mehr ist als Pflicht. Interview: Thomas Rätzke STUART ORME | GOLF & NATUR 72 www.birdie-magazin.de Birdie 02|2025
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