INTERVIEW | ANN-KATHRIN LINDNER machen und habe zwei Wochen lang abgesagt. Aber ich wurde ziemlich hartnäckig überzeugt. Am Ende war es einer meiner intensivsten und wertvollsten Momente meiner Karriere. Die Drucksituation zu meistern, hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben, wovon ich in den nächsten Jahren bei Turnieren in entscheidenden Situationen natürlich profitiert habe. Birdie: Heute bist du als Landestrainerin unterwegs. Wie siehst du die Entwicklung im Golf in der Region Hannover? Ann-Kathrin: Ich habe inzwischen eher den sportlichen Blick auf die Jugend. Und da sieht man, dass wieder mehr passiert. Die Teilnehmerzahlen bei Verbandswettspielen nehmen zu. Sehr beliebt ist unsere KidsCom Turnierserie im GVNB. Die Entwicklung in die Breite darf und muss aber gerne zunehmen. Ich denke, alle Clubs brauchen mehr Mitglieder. Dafür muss allerdings aktiv etwas gemacht werden. Birdie: Wo siehst du aktuell den größten Hebel, um Golf stärker zu machen? Ann-Kathrin: Ganz klar im Einstieg. Clubs müssen rausgehen. Nicht warten, bis jemand kommt, sondern aktiv auf Schulen zugehen, Golf im Ganztag an Grundschulen anbieten, auf Festen und in umliegenden Ortschaften Werbung machen. Und natürlich ein Angebot für Einsteiger und Familien anbieten. Wenn man die Kinder erreicht hat, ist es wichtig, die Eltern mit ins Boot zu holen. Denn dann entsteht etwas Nachhaltiges. Birdie: Und sportlich gesehen - was ist aus deiner Sicht der schnellste Weg, besser zu werden? Ann-Kathrin: Das kurze Spiel. Die meisten Schläge werden rund ums Grün verschenkt. Putten, Chippen, Annäherungen. Da liegt das größte Potenzial. Viele trainieren zu viel das lange Spiel und lassen genau diesen Bereich liegen. Birdie: Wie sieht für dich ein perfekter Golftag aus? Ann-Kathrin: Ganz entspannt. Ein bisschen Mobilisation am Morgen, dann eine Runde ohne Stress. Gerne mit Freunden. Und danach zusammen auf der Terrasse sitzen, etwas essen und trinken. Das gehört für mich genauso dazu wie das Spiel selbst. Birdie: Gibt es noch sportliche Ziele? Ann-Kathrin: Ja, Golf ist zwar nur noch mein Hobby, aber ich liebe den Wettkampf. Seit letztem Jahr darf ich zum Glück als PGA Professional in der Deutschen Golf Liga (DGL) antreten. Und wir haben etwas überraschend den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft. Nun kämpfen wir dieses Jahr um den Klassenerhalt und natürlich möchte ich mit Burgdorf wieder GVNB-Mannschaftsmeister werden. Das Turnier hat mich schon zu Beginn meiner Golflaufbahn geprägt und ist mit das schönste als Clubgolferin. Ende des Jahres geht’s für die PGA of Germany zu den Europameisterschaften. Den Titel aus 2024 zu verteidigen, wäre sensationell. Aber am wichtigsten, als kleiner Tipp für alle Leser, ist es, den Prozess als Ziel zu sehen und Schlag für Schlag zu spielen: egal was war, egal was kommt. Birdie: Du bist deinem Heimatclub bis heute eng verbunden. Ann-Kathrin: Sehr. Ich würde sogar sagen, dass ich dem Burgdorfer Golfclub alles zu verdanken habe. Von hier ging alles los und den Schritt vor sechs Jahren zurück in die Heimat zu kommen, war perfekt. Hier ist mein zu Hause und wird es auch immer sein. Birdie: Letzte Frage - Was sollte sich im Golf aus deiner Sicht wieder stärker entwickeln? Ann-Kathrin: Das Clubleben. Früher war ein Turniertag mehr als nur die Runde. Man hat zusammen gesessen, gewartet, gesprochen. Heute ist vieles schneller, anonymer. Wenn Clubs es schaffen, wieder mehr Gemeinschaft zu erzeugen, profitieren am Ende alle davon. Bild: Ann-Kathrin Lindner „Die Clubs müssen rausgehen – nicht warten, bis jemand kommt.“ 54 www.birdie-magazin.de Birdie01|2026
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