Birdie | Ausgabe 9 April 2026

Bilder: Birdie Golf | Style | Genuss Unsere Reise hat damals begonnen, dann wurden wir gezwungen zu unterbrechen. Aber es blieb was im Hinterkopf. Denn es fühlte sich unvollendet an. Wir mussten auf den richtigen Moment warten. So war es mit unserer Tour durch die dänische Südsee. Vor drei Jahren (siehe Ausgabe 1/23) hatte uns ein Sturm von den Plätzen gefegt, die Fährenverbindungen wurden geschlossen und letztlich konnten wir unser Ziel nicht erreichen. Was blieb, war das Gefühl, dass diese Geschichte noch nicht zu Ende erzählt war. So saßen wir zwischen Weihnachten und Neujahr 2025/26 wieder im Wohnmobil, die Schläger verstaut, Thermoskanne griffbereit, mit genau diesem leisen Kribbeln im Bauch, das man nur kennt, wenn ein Abenteuer noch einmal von vorne beginnt. Diesmal mit dem festen Willen, es zu Ende zu bringen. Die Wetter App gab grünes Licht. Abfahrt. Maribo Sø Golfklub – Wo der Morgenfrost Geschichten erzählt Schon die Überfahrt von Fehmarn nach Lolland hatte etwas Beruhigendes. Während die Fähre ruhig durch die winterliche Ostsee glitt, fiel der Alltag Stück für Stück von uns ab. Zurück blieb diese angenehme Leere im Kopf, die Platz macht für neue Eindrücke. Und genau in diese Stimmung hinein passte der Maribo Sø Golfklub perfekt. Als wir am Morgen ankamen, lag noch ein feiner Frost auf den Bahnen. Die Sonne stand tief, das Licht war weich, fast schon golden und über dem See hing diese typische winterliche Stille, die alles ein wenig langsamer erscheinen lässt. Trotz der gefrorenen Stellen präsentierte sich der Platz in einem bemerkenswert guten Zustand. Die Grüns liefen sauber, die Fairways waren fair zu spielen, und man merkte schnell: Hier wird mit Liebe gepflegt. Während wir unsere Runde spielten, entstand immer mehr dieses Gefühl, dass dieser Platz im Sommer noch einmal eine ganz andere, vielleicht sogar noch schönere Seite zeigen würde mit Leben auf der Terrasse, langen Abenden und diesem entspannten Blick über die Anlage. Der Platz selbst fügt sich nahezu selbstverständlich in die Landschaft ein. Keine übertriebenen Inszenierungen, keine künstlichen Effekte, stattdessen sanfte Hügel, weite Fairways und immer wieder tolle Wasserhindernisse. Der Platz war selbst jetzt zwischen den Jahren gutbespielbar und es waren auch einige Golfer unterwegs, allesamt entspannt und freundlich grüßend. Besonders auf den hinteren Bahnen hat man das Gefühl von perfektem Wintergolf, begleitet vom Rascheln des Schilfs und dem leisen Rufen der Vögel. Es ist ein Platz, der nicht laut sein muss, um Eindruck zu hinterlassen. Und dann ist da noch etwas, das man nicht planen kann, aber es sofort spürt. Diese besondere, nicht selbstverständliche Herzlichkeit. Schon bei der Ankunft wurden wir so offen und freundlich empfangen, dass man fast vergisst, dass man hier eigentlich nur Gast ist. Es ist diese Mischung aus skandinavischer Gelassenheit und ehrlicher Freude, die dafür sorgt, dass man sich vom ersten Moment an willkommen fühlt. Und als wir am Abend unser Wohnmobil direkt am Platz abstellten, mit Stromanschluss und Blick ins Grüne, war klar: Hier könnte man problemlos länger bleiben. Manche Reisen lassen sich nicht erzwingen. Du kannst es bestmöglich planen, aber es gibt immer noch eine unbezwingbare Komponente, das Wetter. EINE WINTERREISE DURCH DIE DÄNISCHE INSELWELT Text: Thomas Rätzke NORDIC-GOLF| DÄNEMARK 69 www.birdie-magazin.de Birdie01|2026

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