6 RECKEN-BOTE | 1. VFL POTSDAM | SAISON 2024/2025 HANDBALLERISCHES AUSHÄNGESCHILD BRANDENBURGS Am 19. April 1990 wurde der 1. VfL Potsdam als Nachfolger der Betriebssport- gemeinschaft der Deutschen Film AG (DEFA) ins Leben gerufen. Die DEFA, ein volkseigener, vertikal integrierter Filmbetrieb der DDR mit Sitz in PotsdamBabelsberg, hatte über Jahrzehnte nicht nur die Filmkultur geprägt, sondern auch sportliches Engagement im Rahmen ihrer Betriebssportgemeinschaft gefördert. Die Gründungsversammlung des neuen Vereins fand in der Gaststätte „Zillestube“ in Babelsberg statt. Das Restaurant, benannt nach dem Berliner Milieu-Maler Heinrich Rudolf Zille („Pinsel-Heinrich“), wurde von Dieter Anders geführt, der bis zu seinem Tod im Jahr 2009 viele Jahre als stellvertretender Vorsitzender beim „Verein für Leibesübungen“ tätig war. Hintergrund der Gründung war die politische Wende, in deren Verlauf die DEFA gezwungen war, die finanzielle Unterstützung ihrer Sport- gemeinschaft einzustellen. Eine letzte Förderung durch die DEFA und den Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB) der DDR war nur noch bis zum 30. Juni 1990 gesichert. Vor diesem Hintergrund traten die Initiatoren an aktive Mitglieder sowie an die Eltern der Nachwuchsspieler heran, um offen über die herausfordernde Situation zu informieren und zugleich Perspektiven für eine eigenständige Vereinszukunft aufzuzeigen. Im Protokoll jener Gründungsversammlung sind 17 Teilnehmer namentlich verzeichnet. Die offizielle Eintragung des Vereins in das Vereinsregister erfolgte am 15. Mai 1990. Bereits zwei Jahre später wurde der Verein als Leistungsstützpunkt im Handball anerkannt – ein frühes Zeichen für die erfolgreiche Entwicklung. Seither hat sich der Verein zu einem sportlichen Aushängeschild der brandenburgischen Landeshauptstadt entwickelt und leistet einen wichtigen Beitrag zur Förderung und Weiterentwicklung des Handballsports in der Region. Seit der Saison 2014/15 besteht eine enge Kooperation zwischen dem 1. VfL Potsdam und den Füchsen Berlin. Zur Spielzeit 2020/21 wurde diese Partnerschaft weiter intensiviert. Zahlreiche Spieler, die heute im Trikot der Füchse Berlin um die großen Titel im internationalen Handball kämpfen, trugen maßgeblich dazu bei, dass der 1. VfL Potsdam in den vergangenen Jahren einen beeindruckenden Aufstieg bis in die stärkste Liga der Welt vollziehen konnte. So liefen in den Jahren vor dem Aufstieg in die Bundesliga unter anderem die deutschen Nationalspieler Max Beneke, Matthes Langhoff und Nils Lichtlein im Rahmen eines Zweitspielrechts für Potsdam auf. Da beide Vereine in der aktuellen Saison jedoch in derselben Liga vertreten sind, greift die Regelung zum Doppelspielrecht nicht mehr. Bereits im Jahr 2006/07 sowie in der Zeit von 2009 bis 2012 spielten sie in der 2. Handball-Bundesliga. Seit der Spielzeit 2012/13 traten die Potsdamer in der 3. Liga an, bis der Aufstieg zurück in die zweite Liga zur Saison 2022/23 gelang. Nach zwei Spielzeiten im Unterhaus, stiegen sie vor dieser Saison in die höchste deutsche Spielklasse auf. Bob Hanning führte das Team von 2021 bis zu dieser Saison als Trainer, bevor er die Rolle des „Head of Sport“ beim VfL übernahm. Seit Sommer wird die Mannschaft von Emir Kurtagic trainiert. Beim Aufstieg sowie bereits in der vorherigen Saison stand mit Joshua Thiele ein ehemaliger Jugend- und Profispieler der RECKEN auf dem Feld. Thiele war von 2013 bis 2020 für den Verein aus der niedersächsischen Landeshauptstadt aktiv, bevor er über die Zwischenstation GWD Minden im Jahr 2022 zu den Adlern, wie die Potsdamer auch genannt werden, wechselte und sich dem Team für zwei Spielzeiten anschloss. In Pflichtspielen trafen die beiden heutigen Kontrahenten seit Beginn der systema- tischen Datenerfassung bislang lediglich einmal aufeinander – im Hinspiel in Potsdam, das die RECKEN mit 27 : 22 für sich entscheiden konnten. Darüber hinaus standen sich die beiden Teams Ende Januar dieses Jahres in einem Testspiel in der Misburger Turnsporthalle gegenüber. Bei der Begegnung, in der zahlreiche Nachwuchsspieler der RECKEN wertvolle Einsatzzeit sammelten, unterlag die TSV Hannover-Burgdorf mit 24 : 29. blickt auf spannende Vereinshistorie Verein für Leibesübungen
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