Die O-Jolle, oder auch Olympiajolle, wurde vom Konstrukteur Helmut Stauch für die olympischen Spiele 1936 gezeichnet. Fünf Meter Länge, ein Gesamt-Gewicht von ca. 220 KG sowie die guten Segeleigenschaften gepaart mit der hohen Wertbeständigkeit der Boote machen die in Deutschland und den Niederlanden gebaute Jolle beliebt. Nicht selten starten in den Regattafeldern bis zu 100 Schiffe. Im SLSV gehört die O-Jolle zu einer der am stärksten vertretenen Bootsklasse. Regelmäßig trifft sich die Trainingsgruppe in der Woche und verbringt Stunde um Stunde auf dem Meer. Man segelt miteinander, macht sich gegenseitig schnell und plant die Regatta-Saison gemeinsam. Zusätzlich ist der SLSV Ausrichter vieler O-Jollen Regatten wie in diesem Jahr die Pfingstwettfahrten und der ZinnCup. Die Bewerbung für die Ausrichtung der nächsten Deutschen Meisterschaft der O-Jollen ist für 2027 bei der Klassenvereinigung der O-Jollen abgegeben. Diese Aktivität führte bereits in der Vergangenheit zu großen Erfolgen unserer Club-Segler. Neben diversen Top-3 Platzierungen auf nationalen Meisterschaften konnte Frank Hübner 1981 und 1982 die Deutsche Meisterschaft der O-Jollen gewinnen. 2008 wurde Akki Forstmann bereits Dritter auf der Europameisterschaft und 2018 wurde Harry Voss Vizeeuropameister – damals am Dümmer See. Harry Voss – ursprünglich durch das Surfen zum Wassersport gekommen – liebt sie, die O-Jolle. Segeln lernt man durch segeln und Regatten gewinnen durch Regatten gewinnen. Harry ist das perfekte Beispiel hierfür. Autodidaktisch, teils durch das Ansehen von Segelvideos und durch die vielen Wasserstunden mit seinen Steinhuder Trainingspartnern bringt sich Harry das erfolgreiche O-Jollen Segeln quasi selbst bei, ohne Trainer, ohne Kaderausbildung in der Jugend. Er probiert viel. Rümpfe, Segel, Masten – haben ist besser als brauchen und nur durch probieren und vergleichen findet man die perfekte Kombination und die Geschwindigkeit, die man benötigt, um zu gewinnen. Auch ein Ausflug in das Finn-Dinghy ist dabei – aber er bleibt bei der O-Jolle. 2023 scheint nicht sein Jahr zu sein. Platz 11. zur silbernen Seerose mit den Plätzen 1, 2 und DNF. Platz 5 bei den Pfingstwettfahrten nach nur einem (schwierigen) Lauf. Platz 16 auf der Deutschen Meisterschaft im Feld von 73 Booten, Meister wird Jan Te Hoeve. Aber das Seerevier in Travemünde liegt Harry. Gerne segelt er hier und weiß auch, dass er hier schnell sein kann. Aber ein Seerevier will auch beherrscht werden. Starke Schauer-Böen, extreme Dreher, Schlagregen und Unwetter – auf der Drachenbahn sinkt ein Drachen während der Regatta – machen die Europameisterschaft zu einer Herausforderung für die 64 Boote, hauptsächlich aus Deutschland und den Niederlanden. Aber Harry setzt sich durch. Mit den Plätzen 1, 8, 1, 13, 2, (31) gewinnt er seinen großen Titel auf seinem Lieblingsrevier mit 25 Punkten vor Frank Hänsgen (Brandenburger Seglerverein Quenzsee e. V.) mit 36 Punkten und Alexander Kulik (Eisenbahner Segel Verein Kirchmöser 1928 e.V.) mit 42 Punkten. Bei seiner Rückkehr nach Steinhude empfangen ihn seine Trainingsgruppe, Freunde, Mitglieder und Sohn Till im SLSV, um den neuen Europameister zu ehren. Weitere Ehrungen werden folgen! Der gesamte Club gratuliert Harry, freut sich mit ihm und weiß jetzt umso mehr – „segeln lernt man nur durch segeln“! EUROPAMEISTER Harry Voss gewinnt vor Travemünde TEXT: BERND BÜHMANN Foto © Bernd Bühmann 29
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