SAILAWAY | Ausgabe 1 - 2024

Auf dem Steinhuder Meer, dem größten See Niedersachsens, gibt es seit 1964 einen ganz besonderen Briefkasten. Er steht mitten im Wasser, wird durch eine Boje getragen und schwimmt auf der Position: 52° 29’ 715ˮ Nord und 009° 21’ 008ˮ Ost. Mit einer Größe von 32 Quadratkilometern ist das Steinhuder Meere der größte See Norddeutschlands und ein Paradies für Wassersportler. Hier liegen ca. 3300 Boote an den Stegen der Segelclubs rund um das Steinhuder Meer. Entstanden ist der skurrile Briefkasten bereits 1964 – und zwar durch eine Wette. Lehrer der Segelschule des „Deutschen Hochseesportverbandes Hansa“ (DHH) wollten ihre Segelschüler davon überzeugen, während der Segelferien doch häufiger an die Eltern zu Hause zu schreiben. So wetteten sie mit ihnen, dass sie ihre Post auch vom Wasser verschicken könnten. Die Segellehrer besorgten kurzerhand eine Boje und bauten diese zu einem „Schwimmenden Briefkasten“ um. Als besonderer Gag wurde noch ein Metallschild mit der Aufschrift „Post von Kriegsschiffen wird nicht befördert“ aufgebracht und die Wette war gewonnen. Viele Postsendungen wurden in diesen Briefkasten geworfen und befördert. Die Sache machte Furore und die Idee fand bald derart viele Fans, dass die Deutsche Post die skurrile „Außenstelle“ genehmigte und unterstützte. Unter der Position 52°29‘715‘‘ N und 009°21‘008‘‘ E zeichnete das Landesvermessungsamt den schwimmenden Briefkasten in die Steinhuder Meer-Karte ein und im Rahmen von Segelübungen wurde der Briefkasten von der Segelschule des DHH geleert. Irgendwann schloss die Segelschule DHH ihre Tore und der Segelclub Garbsen e.V. nahm sich ehrenamtlich, auf Initiative der Post AG, der Postboje an. In Zusammenarbeit mit der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Hannover wurde die Boje umkonstruiert. Aus einer alten Mittefahrwassertonne aus der Weser – mit einem neuen Kasten, einem Ring zum Aufstützen und einem Ankerball bestückt – entstand die heutige Postboje. 52° NORD, 009° OST Die einzigartige Postboje im Steinhuder Meer TEXT: EMKE HILLRICHS SEEPOST OHNE POSTBOOT Seit 1993 ist nun der Garbsener Segelclub offiziell für die Boje zuständig und sie wird von seinen Mitgliedern zweimal wöchentlich und in der Saison fast täglich geleert. Die Anzahl der Sendungen wird von den Sportsfreunden dokumentiert und mit einem Sonderstempel versehen. Dann kommen die Briefe und Postkarten in einer Sondermappe zur Wunstorfer Post. Dort wird nicht maschinell, sondern noch per Hand der offizielle Poststempel aufgebracht, bevor sich die Poststücke auf die Reise zu den Empfängern machen. Seit einiger Zeit stellt die Postboje auch einen Platz für das Geocaching dar. Bei diesem Ziel müssen sich die Schatzsucher erfinderisch zeigen. Denn ohne Boot wird es schwierig, diesen exponierten Punkt auf dem Steinhuder Meer zu erreichen. Anfang Mai wird die Postboje wieder auf ihre Position gebracht und im Oktober vor dem Winterfahrverbot auf dem Steinhuder Meer wieder eingeholt. Durch einen neuen Anstrich und eventuellen Reparaturen wird sie wieder für die kommende Saison fertiggemacht.  Foto © Segelclub Garbsen e.V. 30

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