SAILAWAY | Ausgabe 1 - 2024

Eissegeln ist Segeln in der kalten Jahreszeit. Wir unterscheiden zwischen Wassersegel und Eissegeln. Normalerweise betrachtet man den Segelsport nur auf dem Wasser. Eissegeln hat die große Faszination der Geschwindigkeit. Wir können bis zu 5-mal so schnell wie der Wind fahren und erreichen mit den DN-Schlitten, die wir in Deutschland für den Regattasport einsetzen, ein Tempo von bis zu 120 km/h. Eissegeln ist sicher kein Massensport und soll es auch nicht sein. Es gibt den Eisschlitten nirgends in Masse in Sportgeschäften oder Bootswerften zu kaufen. Eissegeln ist ein Sport für Extremsegler. Das Alter des Eisseglers liegt nicht, wie allgemein meistens angenommen wird, zwischen 15 und 25 Jahren, sondern eher zwischen 30 und 60 Jahren. Eissegeln ist vor einigen hundert Jahren in Holland entstanden. Es waren holländischer Fischer, die auf Querplanken unter ihren Booten Kufen montierten, um mit diesen Schlitten viele Kilometer über das Wattenmeer zum Fischfang und abends wieder nach Hause zu segeln. In den Baltischen Republiken gab es Eissegeln seit weit über hundert Jahren und es wurde zur Küsten- und Binnenfischerei benutzt. Der bekannteste Eissegler unter ihnen war Erik van Holst aus Estland, der schon 12m² und 15m² Eisschlitten segelte. Seine damals neueste Erfindung hielt die komplette Segelwelt in Atem. Er nannte sie „Fire-Bird“ und verwendete eine senkrecht stehende Flugzeugtragfläche als Segel. Auf der zugefrorenen Ostsee und in der großen Bucht von Reval (später Tallinn) fuhr er auf dem Eis einen Geschwindigkeitsrekord nach dem Anderen: sein schnellster Versuch war über 200 km/h. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts schrieb die amerikanische Zeitung „Detroit News“ einen Konstruktionswettbewerb für einen kleinen Eissegler aus. Es sollte ein kleiner Eissegler konstruiert werden, den man leicht und problemlos auf dem Dachträger eines PKWs mitnehmen kann. Daraus entstand der DN-Schlitten, der sich unter anderem dadurch auszeichnete, dass ihn jeder geschickte Bastler mit den Mitteln eines guten Heimwerkers selber bauen konnte. Diese Eigenschaften besitzt dieser Schlitten auch heute noch und die beiden Buchstaben „DN“ erinnern an den damaligen Konstruktionswettbewerb der Zeitung „Detroit News“. Die aktiven Eissegler sind im weltweiten Verband der „IDNIYRA“ (International DN Ice Yacht Racing Association) beheimatet, die sich in „IDNIYRA-Europe“ und „IDNIYRAAmerica“ aufteilen. In der IDNIYRA-Europe gibt es sogenannte Landes-Flotten, die Deutschen sind der „Deutschen-Flotte“ gemeldet und darunter gibt es noch sechs regionale kleine Flotten. Alle aktiven Segler aus dem Steinhuder Raum sind in der „Flotte-Mitte“ angemeldet. Die Flotte teilt auch die Segelnummern für die Segler aus. Für unsere Region gibt es auch noch einen DSVVerein, die „Eissegler Gemeinschaft Steinhuder Meer“ (EStM), die hier in der Region auf den zugefrorenen Seen Aktionen und Regatten durchführen. Ein DN-Schlitten ist nicht gerade preiswert. Für ein hochwertiges Renngerät, mit einer kompletten Ausstattung wie lange und kurze Kufen (die wir Läufer nennen), Segel, Carbon-Mast, alle Beschläge und Schot, muss Fotos © Gilles Morelle 34

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQwNjM=