Bis ins 19. Jahrhundert hinein Rückzugsgebiet für Wölfe. Wann erstmals Touristen ans Steinhuder Meer kamen, ist unbekannt. Sicher ist, dass die Gegend bis in die jüngste Vergangenheit hinein noch weitgehend unbekannt war. Sie lag abseits und unbeachtet der gängigen Handelswege und Verkehrsstraßen. Der größte Teil des Ufers war sumpfig und morastig, der Zugang bis ans Wasser für Menschen nur an wenigen Stellen möglich. Es sei „charakteristisch für die ziemlich wüste Gegend im Osten und Norden des Steinhuder Meeres, daß die aus dem Osten Deutschlands zuweilen westwärts hereinbrechen Wölfe besagten Strich selbst noch in neuester Zeit wild genug gefunden haben, um vorübergehend darin ihre Standquartiere zu nehmen“, beschrieb der Bremer Geograph und Reiseschriftsteller Johann Georg Kohl noch 1863 die nicht gerade einladende Situation. Nach Einschätzung einiger zeitgenössischer Beobachter hatte die lange währende Zeit der Isolation und Abgeschiedenheit der Gegend nicht zuletzt auch zur Erhaltung und/oder Ausformung eines besonders gearteten Menschenschlags geführt: Der Besucher finde „eine Bevölkerung vor, die fern vom lauten Treiben der Welt ihre ländliche Einfachheit bewahrt“ habe, meinte der Volkskundler Theodor Röbbecke in seinem 1870 erschienenen Beitrag „Das Steinhuder Meer in Hannover“. Sein Kollege August Friedrich Freudenthal stellte die seit alters her erfolgreiche Abwehr artfremder Einflüsse heraus: „Die Bevölkerung hat sich ausnehmend rein von fremden Elementen zu halten gewußt“, heißt es in einem Untersuchungsbericht aus dem Jahre 1895. Und der bekannte Lehrer und Heimatforscher Wilhelm Wiegmann beschrieb die besonderen Eigenarten der Bewohner der sogenannten „Seeprovinz“ in seiner 1905 herausgegebenen „Heimatkunde“ so: „Von den übrigen Bewohnern unseres Landes unterscheiden sich die Seeprovinzler durch Kleidung und Sprache. Sie tragen keine Nationaltracht, sondern meist einfache, bürgerliche Kleidung. Statt des landesüblichen Maike heißt es hier Dirn, statt mi und di aber meck und deck. Zu dieser Eigentümlichkeit sei es gekommen, weil „die Bewohner der Meerniederung in alter Zeit einem anderen germanischen Volksstamme und Gau angehört“ hätten. Doch das sollte sich spätestens mit dem „Eindringen“ der Fremden in die beschauliche Region ändern. Nach Fertigstellung der Steinhuder Meerbahn im Jahre 1898 deutete der Geograph und Reiseschriftsteller Wilhelm Halbfaß das Ende der alten Zeiten an: Bis jetzt bildeten „die Bewohner einen von der verfeinernden Kultur der neueren Zeit noch wenig berührten Zweig des kräftigen niedersächsischen Volksstammes; inwieweit die Kleinbahn hierin Wandel schaffen wird, bleibt freilich abzuwarten“. Streit um Besitzverhältnisse und Nutzungsrechte Die durch schwer überwindbare natürliche Barrieren „gesicherte“ Abgeschiedenheit dürfte auch der Grund für das Jahrhunderte anhaltende Desinteresse der Anrainermächte gewesen sein. Das waren Ende des Mittelalters die Grafen zu Rückblick Eintragung im Wilhelmstein Fremdenbuch um 1906 52
RkJQdWJsaXNoZXIy MjQwNjM=