SAILAWAY | Ausgabe 1 - 2024

Holstein-Schaumburg und die Herren des Fürstentums Calenberg. Vor allem die östlichen Nachbarn waren an der abgelegenen, dünn besiedelten sowie wirtschaftlich, politisch und militärisch vermeintlich bedeutungslosen Gegend offenbar wenig interessiert. So kam es, dass sie sich in der ersten Anfang des 17. Jahrhunderts zwischen den Nachbarn getroffenen Vereinbarung über den Grenzverlauf ungewöhnlich großzügig zeigten. Man kam überein, dass der See („soweit das Wasser reicht“) einschließlich fast sämtlicher Nutzungsrechte sowie die dem Gewässer vorgelagerten Bereiche rund um Hagenburg und Steinhude den Herren von der Schaumburg gehören sollten. Der übrige Teil, also das komplette Nordufer samt Hinterland wurden dem mittlerweile zum Kurfürstentum Hannover geadelten Nachbarn zugeschrieben. Der damals amtierende Graf Ernst zu Schaumburg dürfte mehr als zufrieden gewesen sein. Er war nicht nur als einflussreicher und reicher Potentat, sondern auch als cleverer und weitsichtiger Stratege bekannt. Die größte Unruhe kam aus Mardorf. Die Einwohner kämpften verzweifelt für eine gerechtere Teilhabe an den Nutzungsmöglichkeiten. Sie durften das schaumburg-lippische Gewässer nicht befahren und durften Fische nur mit den Händen, nicht aber mit Netzen oder Angeln aus den Fluten ziehen. Ein weiterer ständiger Zankapfel war das Weiderecht in den Schilfwiesen. Das „Laas“, die süßen Schilfspitzen waren beim Hornvieh beider Seiten begehrt. Wiederholt beschlagnahmten Schaumburg-Lippische Fischer Mardorfer Hornvieh mit dem Hinweis, diese hätten ihre Fischkörbe beschädigt. So blieb den ungeliebten Leuten vom anderen Ufer nur der Ertrag aus Torfabbau und Vogelfang. Die Tiere wurden über den deshalb sogenannten „Vogeldamm“ durchs Tote Moor nach Hannover gebracht. Über die Pläne, den See trockenzulegen Um ein Haar hätte es heute gar kein Steinhuder Meer mehr gegeben. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war in Bückeburg die Idee entstanden, das Gewässer trockenzulegen. Stattdessen sollten auf dem freigelegten Meeresgrund Ackerland und Weideflächen entstehen. Aufgrund des humusreichen Bodens seiRückblick Die berühmteste Erfindung von Graf Wilhelm von Schaumburg-Lippe war der „Steinhuder Hecht“ aus dem Jahr 1762, das erste in Deutschland konstruierte U-Boot. Ein kleinerer Prototyp soll 1772 tatsächlich im Steinhuder Meer getaucht sein. Graf Wilhelm von Schaumburg-Lippe ließ 1761 die Insel Wilhelmstein im Sgeinhuder Meer aufschütten. 53

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