en „die reichsten Erndten bey leichter Bestellung ohne alle weitere Düngung“ zu erzielen, stellte ein als Gutachter bestellter Ökonom in Aussicht. Der jährliche Pachtertrag werde bei 36 Tausend Reichstalern liegen. Nach langem Hin und Her landete das Projekt zunächst wieder in der Schublade. Die fürstliche Regierung befürchtete wohl zu Recht, dass solche Ertragsaussichten unweigerlich die Begehrlichkeiten des mächtigen preußischen Nachbarn wecken würden. Trotzdem blieb das Thema weiterhin auf der Tagesordnung. 1859 heizte Georg Landau das Interesse an dem Projekt durch einen neuen Lösungsansatz an. Der Wilhelmstein sei ein „teures Objekt, da er jährlich 6000 Taler an Reparaturen verschlinge: das steht freilich mit den Einkünften, welche dessen mehr gibt, in einem schlechten Verhältnisse. Welche herrliche Besetzung ließe sich dagegen durch ein trockenlegen des Meeres schaffen, würde man die mit Kies bedeckte Hälfte auch nur mit Kiefern bepflanzen können. Dass dies ohne zu große Schwierigkeiten ausführbar ist, lässt sich nicht bezweifeln, denn das 160 Fuß über der Nordsee liegende Meer liegt noch 19 ein halb Fuß höher als die Leine. Es wäre eine Eroberung von sehr hohem Werte, und die Mittel dazu fehlen dem regierenden Fürsten nicht. Ich sollte meinen, das Kapital, welches dazu erforderlich sein würde, könnte nicht besser angelegt werden.“ Die Argumentation schien so überzeugend, dass sich noch bis ins 20. Jahrhundert hinein Investoren und Industriebetriebe ihre Unterstützung anboten. Der Gedanke wurde erst endgültig fallen gelassen, als das touristische Potenzial der Landschaft immer deutlicher wurde und das Trockenlegungsthema – nicht zuletzt unter dem Eindruck der im Wilhelminischen Kaiserreich immer deutlicher zutage tretenden Hinwendung zu Heimat, Natur und Landschaft – endgültig zu den Akten gelegt wurde. Anfänge und Bedeutung als Segelparadies Das Segeln um des Segelns willen wurde nicht nur in England, sondern auch in Deutschland schon Jahrzehnte betrieben, bevor sich der erste „Freizeitsegler“ auf dem Steinhuder Meer vergnügte. Als Segelrevier wurde der See erst spät entdeckt — die Eigentumsverhältnisse und die auf den Broterwerb beschränkte Nutzung des Sees verhinderten eine frühere Eroberung durch „Lust“- und Sportsegler. Andernorts waren dagegen schon Segelvereine gegründet worden, zumeist aus dem Bedürfnis heraus, für Wettfahrten eine organisatorische Grundlage zur Verfügung zu haben. Bereits 1844 wurde zu diesem Zweck in Hamburg der „Allgemeine Alsterclub“ gegründet, 1867 in Berlin der Verein „Seglerhaus am Wannsee“ und der „Berliner Segelclub“, 1868 in Hamburg der „Norddeutsche Regattaverein“. Zwar bekam 1890 Joh. Koop, der für ein Jahr mit seiner Familie nach Rehburg gezogen war, die Erlaubnis, auf dem Meer dem Segelsport zu huldigen. Die Genehmigung für den aus New York übergesiedelten eifrigen Segler und schwärmerischen Naturfreund hatte sein in Bremen wohnender Schwager von der Fürstlichen Hofkammer erwirkt, und die fürstRückblick Im Jahr 1898 wurde die Steinhuder Meer-Bahn (St.M.B.) in Betrieb genommen und befördert ab diesem Zeitpunkt erholungssuchende Fahrgäste in die „Seeprovinz“. 54
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