Rückblick 1883 gründeten See-Offiziere in Kiel den „Friedrichsorter Regattaverein“ und 1887 den „Marine-Regatta- Verein“ (MRV), dessen Protektor Prinz Heinrich, der Bruder des marinebegeisterten Kaisers Wilhelm II. wurde. Der MRV wurde schließlich in „Kaiserlicher Yacht-Club“ umbenannt, mit dem Kaiser persönlich als „Kommodore“ und Prinz Heinrich als „Vize-Kommodore“. 1888 wurde auch der „Deutsche Segler-Verband“ (DSV) gegründet, dem sofort 12 Vereine beitraten. Dieser Entwicklung verdankte im Jahre 1901 der Lindener Reserve-Oberleutnant z. See Julius Menger seine Segelerlaubnis auf dem Steinhuder Meer. In seinem Gesuch um diese bot er den fürstlichen Behörden an, seine Jacht „Senta“ unter Aufsicht zu stellen. Bei einem Offizier der in diesen Jahren hoch angesehenen Kaiserlichen Marine hielt es Fürst Georg nicht für zweckmäßig, das Gesuch abzulehnen, und empfahl die Unterbringung des Bootes in Hagenburg. Eine fürstliche Erlaubnis gab es dann auch im Juni 1904 für das Anliegen des Grafen v. Crayenfeld, der als Vorsitzender der in Hannover und Umgebung wohnenden Mitglieder des Kaiserlichen Yachtclubs zu Kiel darum gebeten hatte, diesen Mitgliedern das Segeln auf dem Meer und das Anlegen am Wilhelmstein zu gewähren. Daß unter den Seglern auch die ersten Sommerfrischler des Steinhuder Meeres zu finden waren, zeigt das Beispiel von C. Wittkopp, Generalagent der GermaniaLebensversicherung in Hannover. Dieser begründete ein Gesuch, ihm das Befahren des Hagenburger Kanals und das Anlegen am Wilhelmstein zu erlauben, damit, dass er große Teile seiner Freizeit auf dem Wasser des Steinhuder Meeres verbringe: „Schon seit Jahren halte ich mich mit meiner Familie (Frau und 2 Knaben im Alter von 13 und 5 Jahren) während der Sommerferien und auch an sonstigen freien Tagen aus Liebe zum Wasser am Steinhuder Meer auf.“ ... Nur „mit großen Kosten“ sei jemand zu haben, der ihn und seine Familie von morgens bis abends nach meinem Belieben rudern oder segeln würde, ganz abgesehen von dem Reiz der eigenen Bootsführung. Seit Kurzem war er Mitglied des wenige Monate zuvor im April 1906 gegründeten Hagenburger Yacht-Clubs (HYC), des ersten Segelvereins auf dem Steinhuder Meer. Der HYC war auch Ausrichter der ersten Regatta auf dem See. Ein „werthvolles Theeservice“ war der Siegespreis bei dieser Wettfahrt und der glückliche Gewinner war niemand anderes als der als Vatter Wilhelm weitbekannte fürstliche Matrose Meuter mit seinem eigenen Boot „Kolumbus“. Start und Ziel der 15 Seemeilen langen Strecke war der Wilhelmstein, wo der Club ein Haus als Clubmesse gepachtet hatte. Die Strecke bewältigte Meuter in zwei Stunden, 19 Minuten und einer Sekunde, mehr als fünf Minuten schneller als der Zweite, der Hagenburger Fürstliche Matrose Bothe. Der dritte Preis ging an den Sohn des Feldwebels Manns und auch der vierte Platz wurde von einem fürstlichen Bediensteten belegt, vom Matrosen Harste. Die drei zuletzt genannten benutzten die fürstlichen Boote „Neptun“, „Scharnhorst“ und „Graf Wilhelm“, also keine eigens für Wettfahrten konstruierte Segler, sondern Boote zur Personenbeförderung wie auch der „Kolumbus“ von Meuter. Dass diese Boote dennoch besser abschnitten als die Jacht „Senta“, mag daran gelegen haben, dass die Yacht, ein Flossenkieler von 3 Meter Breite, 9 Meter Länge und 50 qm Segelfläche, nicht von ihrem Eigentümer, dem mittlerweile zum Kapitänleutnant beförderten Julius Menger gesteuert wurde. Dieser als Marine-Offizier zweifellos die höchste Autorität unter den Beteiligten fungierte nämlich als Starter und Zielrichter. Menger, Vorsitzender des Hagenburger Yacht-Clubs, war zusammen mit dem Kapitän a. D. Walter auch dessen Initiator. Das marinepolitische Element, das diese in die Anfänge des Segelns auf dem Steinhuder Meer brachten, kommt in den Statuten des Clubs zum Ausdruck: In der Zeit der Flottenrüstung und -begeisterung wurde die Hebung des Interesses am seemännischen Dasein beabsichtigt, was durch Förderung und Pflege des Segelsports und die Veranstaltung von Segelregatten erreicht werden sollte. An der Marine orientierte sich auch das Erscheinungsbild des Hagenburger Yacht-Clubs. In § 4 der Satzung wurde bestimmt, dass die Mitglieder entweder Uniform oder einen Club-anzug bei Zusammenkünften und Festlichkeiten innerhalb des Clubs zu tragen hätten. § 5 setzte detailliert das Aussehen des Anzugs fest: „Der Clubanzug besteht aus Jacket, Weste & Beinkleid aus dunkelblauem Tuch oder Serge. Das Jacket doppelreihig geknöpft. Jacket und Weste sind mit schwarzen Knöpfen von erhabener Prägung versehen. Die Prägung besteht aus einem unklaren Anker mit den Buchstaben H.Y.C. Statt der erhaben geprägten Knöpfe können glatte schwarze verwendet werden, in welche die Zeichnung eingraviert und vergoldet ist. Zum ClubanKupferstich der Inselfestung Wilhelmstein im Steinhuder Meer von 1787 56
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