Bilder: Oliver Vosshage Er kennt diesen Moment. Nicht nur vom Platz. Matthias Schultze führt den Malerfachbetrieb HEYSE in Hannover-Altwarmbüchen. Vier Generationen, ein Handwerk, eine wiederkehrende Frage: Wie hält man Qualität, wenn der Druck steigt? Auf der Baustelle. Im Betrieb. Und ja – auf dem Platz. Golf hat er spät angefangen. „Zu spät“, sagt er und lacht kurz – ein Lachen, das nach Eingeständnis klingt. Vielleicht ist genau das der Punkt: Wer Golf mit über vierzig lernt, hat kein Talent mehr als Ausrede. Nur Arbeit. Nur Wiederholung. Nur die ehrliche Rückmeldung eines Balls, der nie lügt. Was der Ball zeigt Golf ist gnadenlos – auf eine Weise, die andere Sportarten nicht sind. Ein Tennisspieler kann einen schlechten Aufschlag kaschieren. Ein Golfer steht allein: mit dem Schläger, dem Lie, dem Wind – und dem, was in seinem Kopf passiert. „Du kannst auf dem Platz nicht so tun, als ob“, sagt Schultze. „Irgendwann zeigt sich, wie du wirklich funktionierst.“ Das klingt nach Sportpsychologie. Ist es aber nicht – jedenfalls nicht, wenn man es auf einen Betrieb überträgt, der dreißig Mitarbeiter beschäftigt, ausbildet und Projekte steuert, bei denen mehrere Gewerke gleichzeitig arbeiten. Dort ist der Druck nicht anders. Ein Anstrich, der nicht hält, ist kein Pech. Er ist ein Prozessfehler. Eine Farbe, die nicht deckt, ist keine Laune – sondern fehlende Vorbereitung. Ein Mitarbeiter, der schweigt, ist kein Zufall – sondern eine nicht gestellte Frage. Der Fehler passiert nicht beim Schlag, sondern vorher. Was unter Druck sichtbar wird Ein Betrieb, der fast neun Jahrzehnte besteht, tut das nicht durch Glück. Und nicht durch einen einzelnen guten Schlag. Sondern durch Wiederholbarkeit. Durch Prozesse, die tragen – auch wenn der Gründer nicht mehr da ist, der Markt sich dreht oder ein Lehrling Fragen stellt, die man vor zwanzig Jahren noch nicht kannte. Matthias Schultze hat den Betrieb nicht neu erfunden. Er hat ihn weitergedacht. Schulungen, die nicht verordnet sind. Austausch mit anderen Gewerken, weil Silodenken auf der Baustelle teuer wird. Weiterbildung nicht als Pflicht, sondern als Haltung – für Azubi, Geselle und Chef gleichermaßen. Auf dem Platz würde man sagen: Wer nur wiederholt, was er kann, wird nicht besser. Er wird nur sicherer in seiner Mittelmäßigkeit. Loch 14. Leichter Gegenwind. Der Ball liegt gut – vielleicht zu gut. Auf solchen Lagen wächst schnell Selbstüberschätzung. Matthias Schultze nimmt sich einen Moment. Nicht um nachzudenken. Um damit aufzuhören. Text: Mario Neitzke „Stillstand sieht von innen aus wie Stabilität – Ist es aber nicht.“ MENTALE STÄRKE IM HANDWERK Bleibst du im Spiel? Über Handwerk, Führung und das, was Golf wirklich testet 84 www.birdie-magazin.de Birdie01|2026
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