multimediaPDF NLV Staffelstab 1_2026

Frau Terhorst, Sie können sich da als ehemalige Leistungssportlerin sicherlich gut hineinversetzen. Fühlen Sie da sogar mehr mit als andere Mütter, weil Sie besser nachvollziehen können, was so eine Verletzung für Paula bedeutet? Ja, natürlich fühle ich da doppelt mit. Einerseits kann man es als Mutter nie haben, wenn das Kind irgendwas hat, was es nicht haben will. Wenn es eine Verletzung hat und darunter leidet. Dadurch, dass ich früher selbst auf der Mittelstrecke unterwegs war und auch Verletzungen hatte, weiß ich natürlich genau, was so eine Zwangspause bedeutet. Paula hat sicherlich noch mehr gelitten als ich damals, weil sie – bedingt durch die Sozialen Medien – die Leistungen der Konkurrenz sofort mitbekommt. Wenn bei uns früher jemand eine tolle Zeit lief, dann kam das oftmals erst in der Bestenliste raus. Hinzu kommt, dass der Winter davor für Paula schon ähnlich verlaufen ist. Das war hart. Aber ich beneide sie auch für ihren Ehrgeiz, den sie an den Tag legt: Sie hat im Training nie locker gelassen und nicht eine Einheit fallen lassen, obwohl man ja eh nicht laufen kann und das Fahrradfahren nicht so gerne mag. Im Gegenteil: Sie hat sich – selbst zu Abiturzeiten, als es stressig war – abends um halb zehn noch auf das Fahrrad gesetzt. Dafür bewundere ich sie sehr und ich habe mich umso mehr gefreut, dass sie letzte Woche in Karlsruhe auf der Bahn direkt zeigen konnte, was sie kann. Paula, für dich standen in diesem Frühjahr die Abiturprüfungen an. Hast du sie gut überstanden? Ich bin froh, dass die Prüfungen durch sind. Das war schon eine stressige Zeit. Das Training war da sicherlich eine zusätzliche Belastung, aber gleichzeitig auch ein guter Ausgleich zum vielen Lernen. Bist du denn immer gerne zur Schule gegangen oder freust du dich, dass die Zeit vorbei ist? Ich mochte die Schule eigentlich. Wenn ich so im Nachhinein darüber nachdenke, dann war das doch eine schöne Zeit. Natürlich war ich aber nicht jeden Tag super motiviert und es gab auch stressige Zeiten. Ich bin nicht auf eine Sportschule gegangen, deshalb hatte ich fast jeden Tag Nachmittagsunterricht. Gerade im Winter, wenn Prüfungsphase und das Training gleichzeitig immer relativ lang und ausdauerlastig war, war das nicht immer einfach. Hattest du dabei eigentlich nie das Gefühl, etwas zu verpassen? Für den Leistungssport einen Teil deiner Jugend aufzugeben? Also ich habe mit Sicherheit ein paar Dinge verpasst. Unser Jahrgang fährt zum Beispiel am Wochenende in den Abi-Urlaub – da wäre ich natürlich gerne mitgefahren. Das passt aber einfach gerade nicht rein, weil wir mitten in der Saison sind. Auf der anderen Seite macht mir der Sport aber auch einfach unfassbar viel Spaß: Ich habe durch ihn so viele tolle Leute kennengelernt und so viele tolle Erfahrungen gesammelt. Ich habe eben andere coole Dinge erlebt und würde niemals tauschen wollen. Hast du schon eine Idee, wie es nach dem Abitur weitergehen soll? Wovon träumst du? Nein, so genau weiß ich das noch nicht. Ich wünsche mir, dass ich in den nächsten Jahren Sport mit meinem restlichen Leben weiterhin gut vereinbaren kann und alles so weiterläuft, wie es gerade ist. So einen wirklichen Traum habe ich nicht. Auf sportlicher Ebene würde ich natürlich gerne weiterhin erfolgreich sein und eines Tages vielleicht auch bei einer internationalen Meisterschaft der Aktiven starten. Ich habe da aber keinen spezifischen Wettkampf oder eine spezifische Zeit, die ich gerne mal laufen würde, vor Augen. Und Sie, Frau Terhorst, was wünschen Sie Paula? Ich wünsche ihr, dass sie verletzungsfrei bleibt und den Spaß am Sport behält. Wenn der Spaß da ist, dann kommt das, was sie sich wünscht, von ganz allein. Für mich ist es das Wichtigste, dass sie glücklich durch das Leben geht und das macht, was ihr Freude bereitet. Was ist das Schönste daran, Paulas Mutter zu sein? Das kann ich gar nicht in einen Satz fassen. Ich bin unendlich stolz, eine so tolle Tochter wie Paula zu haben. Genauso stolz bin ich natürlich auch auf meine anderen beiden Töchter. Ich bin stolz darauf, dass alle drei ihren Weg gehen und sich zu tollen Persönlichkeiten entwickeln. Das ist schön, mit anzusehen. Auch, wenn ich traurig bin, dass sie so schnell groß werden (lacht). Gibt es eigentlich Eigenschaften an Paula, in denen Sie sich selbst wiedererkennen? Ich glaube, dass Paula und ich uns sehr, sehr ähnlich sind. Wenn Paula ein Ziel hat – egal, ob das sportlich oder schulisch ist –, dann kann sie einen riesengroßen Ehrgeiz entwickeln und alles dafür tun, dass sie dieses Ziel erreicht. Sie geht ihren Weg und schaut nicht so viel nach links und rechts. Das braucht es, wenn man große Ziele hat. Und ja: Weil wir uns so ähnlich sind, geraten wir auch öfter mal aneinander. Aber das gehört dazu. Deine beiden kleinen Schwestern machen auch Leichtathletik, Paula. Wie ist das denn, in einer Leichtathletik-Familie aufzuwachsen? Ist das vor allem eine große Stütze oder gab es auch schon Momente, in denen du deshalb Druck verspürt hast? Paula (Mitte) zusamen mit ihren Schwestern (Fotos: F. Postler) NLV-StaffelStab August 2026 · 15

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